In Deutschland läuft es meist so, dass ein Verkehrsverbund ankündigt, dass demnächst das Barzahlen im Bus oder an (vielen) Automaten abgeschafft wird. Nach Protest, manchmal auch schon vorher, wird angekündigt, dass man die Möglichkeit einer aufladbaren Bezahlkarte prüfe oder sogar bereits daran arbeite. So gut wie nie gibt es die Bezahlkarte schon, wenn es darauf ankommt, zum Beginn der Bargeldabschaffung, oder aber es gibt nicht genug davon, wie zum Beispiel in Hamburg. Falls die Bezahlkarte tatsächlich kommt, gilt sie nur in dem jeweiligen Verkehrsverbund, höchstens noch in ein oder zwei benachbarten. Das bedeutet, dass Reisende nie die passende Bezahlkarte haben, wenn sie durch Deutschland fahren und den Nahverkehr nutzen wollen.
Die Schweiz zeigt, wie es anders geht. Dort gibt es seit Anfang 2025 eine anonyme, aufladbare Bezahlkarte, die von der Schweizer Bahn, allen großen Verkehrsverbünden und vielen kleineren akzeptiert und ausgegeben wird. Man kann sie online aufladen oder an bemannten Verkaufsstellen der Verkehrsverbünde, in Versuchsregionen auch auf Postfilialen. In der Schweiz sollten damit auch Menschen ohne Bankkonto oder Karten und Menschen, die kein Bewegungsprofil bei ihrer Bank und verschiedenen Zahlungsdienstleistern gespeichert sehen wollen, kein Problem mehr haben öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.
Dass nichts dergleichen in Deutschland erkennbar versucht wird, dürfte die Schuld der Ministerien für Digitalisierung und für Verkehrs sein, vor allem wohl von letzterem. Denn dieses vergibt reichlich Subventionen an Verkehrsverbünde für die „Modernisierung“, sprich Digitalisierung, und könnte ohne weiteres die nötige Koordinierung übernehmen. Notwendig wäre vielleicht ein wenig Subventionierung der technischen Angleichung, damit alle die Karte akzeptieren können. Aber danach wäre die Steigerung der Effizienz vor allem des Busverkehrs durch schnellere Bezahlvorgänge und die Verbilligung der Automatenverwaltung durch Verzicht auf Bargeld mit viel weniger (berechtigtem) Widerstand möglich.
Dass man in Berlin nicht bemerkt hat, dass die nicht minder föderale Schweiz so etwas erfolgreich eingeführt hat, ist wenig plausibel. Das trotzdem nicht in der Richtung passiert, nährt den Verdacht, dass man die Menschen zum digitalen Bezahlen mit vollem Datenabfluss nötigen will. Dafür sprechen nicht zuletzt die Bemühung der Deutschen Bahn, unter der Ägide des Verkehrsministers, das anonyme Reisen mutwillig immer mehr einzuschränken. Die Abgeordneten von Union, SPD und Grünen, die dieses Treiben unterstützen, sind mitschuldig.
