Unsere Kinder verlernen das Sprechen

Laut einer Datenauswertung der Krankenkassen KKH stieg die Zahl der Kinder zwischen 6 und 18 Jahren mit Sprechstörungen von 2012 bis 2022 um knapp 60%. Fast jeder zehnte Junge und jedes 15. Mädchen sind inzwischen betroffen. Bei 15- bis 18-Jährigen nahmen die Sprechstörungen sogar um 144% zu, hier bei den Mädchen mehr als bei den Jungen. „Chatten und Liken sind kein Ersatz für direkte Kommunikation“, schreibt die KKH.

Als Ursache diagnostizieren die Experten, dass neben die schon immer vorhandenen Auslöser von Sprechstörungen die übermäßige Nutzung von digitalen Geräten und der damit einhergehende Rückgang der direkten, mündlichen Kommunikation getreten ist. Die Pandemie (bzw. die Pandemiemaßnahmen; N.H.) hätten dabei als „Brandbeschleuniger“ gewirkt.

Nicht nur die Kinder redeten von sich aus weniger. Auch die Eltern und das sonstige Umfeld seien zu sehr mit Smartphones beschäftigt, um mit ihnen zu reden.

Die Krankenkasse warnt davor, diese Probleme auf die leichte Schulter zu nehmen. „Sprache und Sprechen sind Grundpfeiler für die Entwicklung eines Kindes“, sagt Vijitha Sanjivkumar vom Kompetenzteam Medizin der KKH. „Denn Sprachkompetenz ist einer der Schlüssel, um Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle mitzuteilen, sich die Welt zu erschließen, sie zu verstehen und sozial mitzugestalten.“

Deshalb der dringende Appell an alle Eltern und andere Menschen, die mit Kindern zu tun haben. Legen Sie ihre Smartphones weit weg, wenn Sie mit Kindern zusammen sind. Vermitteln Sie ihnen nicht die Botschaft, dass der normale Zustand darin besteht, dass zwei oder mehr Menschen, die zusammen sind, jeweils mit Dritten sprechen oder auf ein technisches Gerät starren und bestenfalls noch über das reden, was sie darauf sehen. Reden sie mit ihnen. Spielen sie mit ihnen. Es wird auch Ihnen sehr gut tun.