9 Gebote der Radikalen Anti Smart­phone Front sorgen für Aufsehen

Mit selbst-gedruckten Flyern mit Empfehlungen wie „Ficken statt Facebook!“ oder „Lieben statt liken!“ hat die Radikale Anti Smartphone Front (RASF) auf der Straße und in den Medien für beträchtliches Aufsehen gesorgt.

Flyern is not a crime!; Copyright Benno Flügel

Hinter dem Kunstprojekt einer „Bewegung gegen den exzessiven Gebrauch von Smartphones“ steht vor allem Benno Flügel, ein 34-jähriger Künstler, Buchautor und Aktivist aus Berlin. Er beklebt in Berlin und Hamburg Laternen- und Schildermasten mit Aufrufen, das Leben unvernetzt zu genießen: „Tanzen statt Twittern!“, „Emotion statt Emoticon!“, „Get another Drink!“, aber auch etwas weniger hedonistisch und dafür aktivistischer mit „Exit Social Media!“, „Regulate Big Tech!“ und „Stop Digital Distopia!“, „No Pesos for Bezos!“, „Reclaim the Streets!“ und „weSociety instead iPhone!“.

Ursprünglich hatte Benno Flügel die Bewegung RASF schon vor zehn Jahren mit einem Freund gegründet. Sie schlief dann aber aufgrund seiner Drogenexzesse ein, bis er sie als Einzelkämpfer ab Februar 2026 wieder mit Leben füllte. Wer mitmachen will, bei der Verbreitung der Botschaft, kann an info@rasf.eu schreiben um die Flyer zugeschickt zu bekommen. Auf der Website heißt es:

„Mit der RASF haben wir eine Plattform geschaffen, die dir die Möglichkeit gibt, dich in unsere Gesellschaftskritik einzubringen. Wir freuen uns über jeglichen Beitrag: redaktionell, künstlerisch oder über die Verteilung von Flyern. Wenn du also Lust hast, unsere Bewegung zu unterstützen oder einfach nur Kontakt mit uns aufzunehmen, dann schreib an info@rasf.eu !“

Es wäre schön, wenn die RASF-Botschaften bald in noch viel mehr Städten Passanten erfreuen und zum Nachdenken anregen würden.

Und darum geht es: Auszug aus dem Manifest von RASF:

Wir von der Radikalen Anti Smartphone Front sagen ganz klar: NEIN! Nein zur Parallelkommunikation mit Abwesenden im Beisein anderer, nein zur Selbstdarstellung des eigenen Narzissmus und nein zum anhaltenden Auseinanderdriften unserer Gesellschaft! Und in aller Deutlichkeit sagen wir NEIN zum ausufernden und exzessiven Gebrauch von Smartphones, der peu à peu unser soziales Leben vergiftet. Stattdessen sagen wir JA zu allem, was unser Leben wirklich lebenswert macht: Freundschaft, Freiheit, Liebe und Zusammenhalt. Unser Credo lautet deshalb: Ficken statt Facebook! Lieben statt liken! Tanzen statt Twittern! Wir sind die Radikale Anti Smartphone Front! Wichtiger als eine Horde Abonnenten auf Facebook, sind eine Handvoll Freunde mit denen wir lachen, weinen und über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens reden können.

Wir stellen außerdem fest, dass wir dem Zufall durch den permanenten Gebrauch von Smartphones keinen Platz mehr in unserem Leben lassen, sodass sich unsere Existenz in ein kühl kalkulierbares Computerspiel verwandelt. Doch wie der griechische Philosoph Diogenes bereits bemerkte, sind Zufälle unvorhergesehene Ereignisse, die einen Sinn erfüllen: Jeder von uns hat bereits Bekannte, Freunde oder sogar die eigene Partnerin durch eine zufällige Begegnung kennengelernt. Rückblickend empfinden wir diese erste Begegnung als besonders schicksalhaft, denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Auch die Radikale Anti Smartphone Front ist durch einen Zufall entstanden. So saßen die beiden Initiatoren unserer Bewegung bei ihrer ersten Vorlesung im mit 500 Leuten besetzten Hörsaal zufälligerweise hintereinander. Hätten sie damals WhatsApp-Nachrichten geschrieben, anstatt sich zu unterhalten, würde dieser Text nicht existieren.

Der Philosoph Byung-Chul Han von der Universität der Künste in Berlin weist energisch darauf hin, dass Big Data ein effizientes psychopolitisches Instrument ist, durch das Menschen wie willenlose Marionetten manipuliert werden können. Denn Big Data erzeugt ein Herrschaftswissen, das es Konzernen möglich macht in unsere Psyche einzugreifen, ohne dass wir es merken. Setzt sich diese Entwicklung fort, werden Menschen zu quantifizierbaren und steuerbaren Objekten degradiert, zu von fremden Mächten gesteuerten Sklaven, die ihre Freiheit auf dem Altar der digitalen Selbstoptimierung freiwillig opfern und anschließend mit den eigenen Händen zu Grabe tragen, bis unser Lebensinhalt nur noch aus Kommunikation, Kommerz und Konsum besteht. Wir von der Radikalen Anti Smartphone Front stemmen uns gegen diese Entwicklung, denn glückliche Sklaven sind die größten Feinde der Freiheit.